Impressionen aus einem Raureif-Garten: Botanischer Garten Tübingen am 28.12.2006 (Teil 2)



Der Hybrid-Schneeball, Viburnum x bodnantense, aus chinesischen Eltern in Wales entstanden und zum beständigen Winterblüher herangewachsen, jetzt mit durch Raureif Blütenpracht.

Raureif an Viburnum x bodnantense-Blüten Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Viburnum x bodnantense-Blüten Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Meist beginnt die chinesische Winterblüte, Chimonanthus praecox, im Spätwinter zu blühen. Heuer hat sie schon im Spätherbst die ersten, kräftig duftenden Blüten geöffnet. Die kurzfristige Eisbedeckung schadet diesen, an Kälte und Frost angepassten Blüten nicht.

Raureif an Chimonathus praecox-Blüten Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Chimonathus praecox-Blüten Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Eine geöffnete Blüte der chinesischen Winterblüte, Chimonanthus praecox, mit einer Eispelzkappe. Die Gattung Chimonanthus ist mit drei Arten in China verbreitet.

Raureif an Chimonathus praecox-Blüten Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Chimonathus praecox-Blüten Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Die Rutenhirse, Panicum virgatum, ist von Nord- bis Mittelamerika verbreitet. Mehrere bewährte Kultursorten sind für Zierzwecke verfügbar. Hier zeigt sich die Rutenhirse in einem kurzlebigen, eishaarigen Winterkleid. Im Hintergrund der Fuchsienpavillon mit einer „Winterausstellung“.

Raureif auf Panicum virgatum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif auf Panicum virgatum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Im Detail zeigt sich das natürlich-artifizielle Kunstwerk der Eisnadelketten an den Fruchtständen der Rutenhirse, Panicum virgatum.

Raureif auf Panicum virgatum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif auf Panicum virgatum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Eine der beliebtesten Ziermagnolien ist die chinesische Magnolia denudata, die vor dem Eingang zu den Gewächshäusern steht. Sie blüht zeitig vor dem Blattaustrieb und ist dann Frost gefährdet. Im Kontrast zu dem steht links im Vordergrund das Zierhybridreitgras Calamagrostis x acutiflora.

Raureif an Magnolia denudata Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Magnolia denudata Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Die Winterkälte und der Raureif schadet der chinesischen Magnolia denudata nicht. Die Blütenknospen sind mit einem dichten natürlichen Haarpelz. Hier wird dieser Schutzmantel noch durch die Raureifnadeln verziert.

Raureif an Magnolia denudata Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Magnolia denudata Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Raureifzierde auf den Früchten der niederliegenden Steinmispel, Cotoneaster horizontalis. Von dieser westchinesischen Art gibt es mehrere bewährte Kultursorten.

Raureif an Cotoneaster horizontalis Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Cotoneaster horizontalis Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Blick über einen Teil des Systemreviers mit bereiften Gehölzen, wie dem japanischen Katsurabaum, Cercidiphyllum japonicum, links. Im Vordergrund in der Mitte ein junger persischer Eisenholzbaum, Parrotia persica und die virginische Zaubernuss, Hamamelis virginiana. Dahinter die stark zurückgeschnittene Hybridplatane, Platanus x hispanica, eine Kreuzung der asiatischen Art P. orientalis mit der amerikanischen P. occidentalis. Rechts der Faulbaum, Frangula alnus und dahinter der amerikanische Tulpenbaum, Liriodendron tulipifera. Am rechten Bildrand vorne die Zwergbirke, Betula humilis. Buschartig in der Mitte zwei Bambusarten, der Zwergbuschbambus, Pleioblastus pygmaeus, aus Japan und der chinesische Schirmbambus, Sinarundinaria nitida. In der Mitte des Hanges die Carolina-Hainbuche, Carpinus caroliniana und der westchinesisch-tibetische Blutspindelstrauch, Euonymus sanguineus. Dahinter der persische Eisenholzbaum, Parrotia persica, an der Aussichtskanzel und die japanischen Sicheltannen, Cryptomeria japonica im Geographischen Alpinum.

Raureif im System Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif im System Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Das immergrüne Riesenschilfrohr, Arundinaria gigantea, beheimatet im südöstlichen Nordamerika, wächst im Bambusrevier des Tübinger Systems. Mit starkem Raureif bekommen die Pflanzen ein bizarres Aussehen.

Raureif an Arundinaria gigantea Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Arundinaria gigantea Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Der aus Nordchina stammende Winterjasmin, Jasminum nudiflorum, ist ein regelmäßiger und bewährter Winterblüher. Nur strenger und lang andauernder Frost schädigt die Blüten. Die langen Raureifnadeln sind eine schnell vergängliche Zierde.

Raureif an Jasminum nudiflorum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Jasminum nudiflorum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Die aus dem westlichen Nordamerika stammende Phacelia tanacetifolia ist als Bienenweidepflanze auch in Europa weit verbreitet. Die Spätblüher erscheinen im Raureifüberzug wie erstarrte Gestalten.

Raureif an Phacelia tanacetifolia Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Phacelia tanacetifolia Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image


Die dichtblütigen, wickeligen Blütenstände der Phacelien erinnern an Knäuel, im Griechischen phakelos genannt. Dies hat zur wissenschaftlichen Benennung dieser Pflanzengattung geführt. Im extremen Raureif entsteht der Eindruck, als würden Nadeln aus den Knäueln herausstehen.

Raureif an Phacelia tanacetifolia Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Phacelia tanacetifolia Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Ein ungewöhnliches Bild bietet der stark bereifte Weinstock, Vitis vinifera, im System des botanischen Gartens.

Raureif im System Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif im System Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Vom Haselstrauch, Corylus avellana, gibt es mehrere Kultursorten. Ein beliebtes Gartenziergehölz ist die Korkzieherhasel, Corylus avellana „Contorta“, die 1863 in England selektiert wurde. Der zusätzliche Eisnadelschmuck verleiht den gewundenen Zweigen einen besonderen Reiz.

Raureif an Corylus avellana „Contorta“ Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Corylus avellana „Contorta“ Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Es dürfte nicht leicht sein, hinter der dichten Eisnadel-Bedeckung die Fruchtstände haarnervigen Scheinellers, Clethra barbinervis, zu erkennen. Dieses Gehölz kommt in Japan und Korea vor und wurde vom deutschen Japanforscher Philipp Franz von Siebold zusammen mit Joseph Gerhard Zuccarini als neue Art beschrieben

Raureif an Clethra barbinervis Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Clethra barbinervis Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Die winterkahlen Koniferen erstrahlen im Raureif in neuem Glanz. Links die nordamerikanische Sumpfzypresse, Taxodium? distichum, in der Mitte und rechts das erst 1941 in Szetschuan entdeckte chinesische Rotholz, Metasequoia glyptostroboides.

Raureif an Taxodium distichum und Metasequoia glyptostroboides Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Taxodium distichum und Metasequoia glyptostroboides Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Am Japanteich sind mehrere japanische Azaleen und Rhododendren angepflanzt. Hier erstrahlt die kahle Japan-Azalee, Rhododendron japonicum, mit Raureifbelag im Gegenlicht.

Raureif an Rhododendron japonicum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Rhododendron japonicum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Die endständigen Blütenknospen der Japan-Azalee, Rhododendron japonicum, mit der ungewöhnlichen Zierde von Eisnadeln. Diese Azalee stammt aus Honshu, der mittleren der großen japanischen Inseln.

Raureif an Rhododendron japonicum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Rhododendron japonicum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Die von der Nordost-Mandschurei über Korea bis Mitteljapan verbreitete Schlippenbachsche Azalee, Rhododendron schlippenbachii, zählt zu großblütigsten und schönsten sommergrünen Rhododendren. Das kahle Wintergeäst ist durch den Raureif ziseliert und im Gegenlicht hell aufleuchtend.

Raureif an Rhododendron schlippenbachii Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Rhododendron schlippenbachii Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Auf der kleinen japanischen Insel Yakushima, die der südlichen Hauptinsel Kyushu vorgelagert ist, wächst die Yakushima-Alpenrose, Rhododendron yakushimanum. Eine schmalblättrige Sippe dieser Art wird als Unterart, R. y. ssp. makinoi, bezeichnet. Mit den anliegenden, eingerollten Blättern und dem Eisstachelbesatz bekommt das Kleingehölz ein ungewöhnliches Aussehen.

Raureif an Rhododendron yakushimanum ssp. makinoi Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Rhododendron yakushimanum ssp. makinoi Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Die chinesische Abelie, Abelia chinensis, blüht spät im Jahr und behält ihre Blätter bis in den Winter hinein. Zweige, Blätter und Früchte des Strauches, der im Gmelinrevier steht, sind spitznadelig vereist. Im Hintergrund ist das Tropicarium zu erahnen.


Raureif an Abelia chinensis Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Abelia chinensis Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Der von China über Korea bis Japan verbreitete japanische Blumen-Hartriegel, Cornus kousa, fällt im Winter durch seine breit ausladende Krone auf. Die feine Verästelung der Endzweige wird durch den Raureifbelag erst eindrücklich sichtbar. Hinter dem Strauch steht der eschenblättrige Flügelnussbaum, die vom Kaukasus bis nach Nordpersien verbreitet ist.


Raureif an Cornus kousa Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Cornus kousa Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Vom Kaukasusrevier ist links gerade noch die pontische Alpenrose, Rhododendron ponticum, zu sehen. Dann folgen das Pannonikum, der östliche Teil des Systems und dahinter das Tropicarium. Die stark bereiften Bäume des Hintergrunds stehen überwiegend im Arboretum.

Raureif im Botanischen Garten Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif im Botanischen Garten Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Die Papierblume, Xeranthemum annuum, kommt vom östlichen Mitteleuropa bis nach Westasien vor. Sie hat heuer im Pannonikum bis in den Winter hinein geblüht.

Raureif an Xeranthemum annuum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Xeranthemum annuum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Auch der Fruchtstand der Papierblume, Xeranthemum annuum, ist sehr ornamental. Mehrere Hüllblätter überragen die regelmäßig zentral angeordneten Früchte. Die randliche Eisdornenkrone liefert ein sehr kurzlebiges Glitzerwerk.

Raureif an Xeranthemum annuum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Xeranthemum annuum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

Von den Alpen bis Nordosteuropa und Nordasien ist die Mairose, Rosa majalis, auch Zimtrose genannt, verbreitet. Sie zählt zu den alten Kulturrosen, die immer wieder angepflanzt wurden und sich auch lokal eingebürgert haben. Die Mairosenhagebutte ist hier kontrastreich mit langen Eisnadeln gespickt.

Raureif an Rosa majalis Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif an Rosa majalis Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen

Image

In unserem kleinen Rundgang durch den vom ungewöhnlichen Raureif geschmückten unteren Teil des Tübinger Botanischen Gartens kommen wir zum Ausgangspunkt zurück. Von der Aussichtskanzel zeigen sich die Südalpen im Vordergrund und die nördlichen Kalkalpen dahinter in ihrem Raureifüberzug besonders plastisch.

Raureif im Alpinum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen
Raureif im Alpinum Bild: F. Oberwinkler, 28.12.2006, Botanischer Garten Tübingen



  • Zurück zum ersten Teil der Raureifführung kommen sie hier
  • Startseite