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Angewandte Botanik aus Japan

Sonderausstellung im Botanische Garten der Universität Tübingen

Konzept und Ausführung Dr. Barbara Oberwinkler




Japanische Darstellung der Ballonblume, Platycodon grandiflorus, kikyô, Image



Diese hübsche, ausdauernde Staude, die zur Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae) gehört, wird auch bei uns gerne als Zierpflanze verwendet. Sie blüht im Spätsommer und wird deshalb in Japan häufig als Symbol des Monats September betrachtet.


Schnitzlack-Kästchen


„Japanlack“ wird aus dem Lacksumach (Toxicodendron verniciflua = Rhus verniciflua, urushi, Image Anacardiaceae, Sumachgewächse) durch Anritzen der Rinde gewonnen. Das giftige, weißliche Harz wird mit Zinnober rot gefärbt. Dieser „Lack“ wird in zahlreichen (bis zu 300) hauchdünnen Schichten übereinander aufgetragen, wobei jede Schicht einzeln durchtrocknen muss. Seltsamerweise ist dazu eine feuchte Atmosphäre nötig! Das aufwendige Verfahren erklärt die Kostbarkeit von Lackarbeiten.


Sakura, Image , Kirschblüte


Symbol für den Frühling

Abformungen von japanischen Holzmodeln


Unter europäischem Einfluss wurden Süßigkeiten entwickelt, die besonders in Kyoto in Holzmodeln geprägt wurden (Nanbangashi). Als Material zum Ausformen wird Bohnenpaste aus den roten Azuki-Bohnen verwendet oder eine Mischung aus Reismehl, Puderzucker und Eiweiß.


Stapeldose aus Porzellan mit üppigem Kirschblütendekor


Schon im März blühen die japanischen Kirschbaumarten (z.B. Prunus x subhirtella, Higankirsche, kohiakur, Image ; Prunus yedoensis, Edokirsche, Image ). Die Bäume erscheinen wie weißliche oder rosa Wolken, so dicht sitzen die zahlreichen Blüten. Zur Kirschblütenzeit werden gerne Picknicks unter den blühenden Bäumen veranstaltet.


Flechtschale aus Kirschbaum-Rinde mit „Füßchen“ aus Walnussschalen


Die Walnuß (Juglans regia) ist nicht in Japan heimisch, wird aber in gemäßigten Breiten weltweit kultiviert. In Japan wächst die Östliche Walnuß, Juglans regia var. orientalis, teuchigurumi, Image


Schöpfkelle aus Bambus


Ein wichtiger Aspekt des Shintoismus, der ältesten Religion Japans, ist die Reinigung. Wer sich einem „Schrein“ nähert, vollzieht zunächst ein Reinigungsritual, spült Mund und Hände. Dazu benutzt man diese formschönen Schöpfkellen.

Eß- und Kochstäbchen aus Bambus


Bambus – mit verschiedenen Arten – ist ein schnell wachsendes Gras mit verholzenden Halmen, aus denen viele Dinge des täglichen Bedarfs hergestellt werden, z.B. die Essstäbchen. Zum Kochen verwendet die japanische Hausfrau die langen Kochstäbchen, die genügend Abstand zu heißen Flüssigkeiten gewährleisten.

Sake-Becher


Mit Wappen japanischer Adelsfamilien
Das alkoholische Nationalgetränk der Japaner ist Sake, ein Reiswein, der leicht angewärmt serviert wird. 2-3 kg Reis und bestes Wasser ergeben ca. 2 l Sake.


Spielzeug aus Bambus


Wird die „Zikade“ in kreisende Bewegung versetzt, ertönt ein schrillender Ton, ähnlich dem auf- und abschwellenden Zirpen der Zikaden, für die die dachige Anordnung der Flügel typisch ist.


„Großer Buddha von Kamakura“



Vor der berühmten, 12,75 m hohen Bronzestatue aus dem 13. Jahrhundert steht ein Lotosblumen-„Gesteck“, ebenfalls aus Bronze. Lotos (Nelumbo nucifera, Image ) gilt als der Inbegriff der Reinheit. Lotosblätter sind wegen ihrer besonderen Oberflächenstruktur nicht benetzbar, weder Schmutz noch Wasser haften an ihnen.

Getrockneter Fruchtstand der Lotosblumen (Nelumbo nucifera, renge, Image )


Zwei Samen sitzen noch eingesenkt in dem Blütenboden.

Getrocknete Scheiben aus dem Wurzelstock der Lotosblume (Nelumbo nucifera, renge, Image )


Die frischen Rhizome der Lotosblume sind nach dem Kochen essbar und werden wegen ihres dekorativen Aussehens gerne in der japanischen Küche verwendet.


Sandalen aus Reisstroh


In gleicher Art wie diese Sandalen werden die traditionellen japanischen Reisstrohmatten (tatami) hergestellt. Die Größe dieser Matten (1,80 x 0,90 m) gilt als Normmaß für Wohnräume. Um die Matten zu schonen, dürfen sie nicht mit Schuhen betreten werden.


Weiteres aus Japan im Botanischen Garten Tübingen




Erstellt von mbeck. Letzte Änderung: Mittwoch, 22. August 2007 12:34:58 CEST by amaeck.