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Orchidaceae (Orchideen)


Einzige Familie der Orchidales (Orchideenartige Gewächse) mit ca. 800 Gattungen und etwa 20.000 Arten terrestrischer, überwiegend aber epiphytischer, ausdauernder Kräuter, die weltweit verbreitet, jedoch in den Tropen am artenreichsten vertreten sind. Wurzeln oft knollig angeschwollen (Name: Griech. orchis - Hoden), Epiphyten mit Luftwurzeln. Stämmchen oft rhizomartig ausgebildet und Internodien nicht selten zu Speicherorganen angeschwollen (Pseudobulben). Blätter ungeteilt, linealisch bis oval, schwach bis deutlich sukkulent. Blüte dreizählig, zygomorph, mit unterständigem Fruchtknoten, oft um 180˚ gedreht (resupiniert). Blütenhülle oft deutlich kelch- und kronblattartig ausgebildet. Staubblätter 3-2, bei der weit überwiegenden Zahl der Arten jedoch nur ein Staubblatt vorhanden. Pollen selten einzeln, überwiegend zu Tetraden vereint und diese zu Pollinien verklebt, die typischerweise den Inhalt eines gesamten Pollensackes ausmachen; Pollinien oft paketartig unterteilt (Massulae). Staubblatt und Griffel zu einem säulenartigen Organ (Gynostemium) verwachsen. Griffel zumindest jung mit 3 Narbenlappen, reif oft verwachsen und eine Eindellung bildend (Rostellum s.l.); als Rostellum im engeren Sinn wird der mediane Narbenlappen und der anschließende, pollenaufnehmende Teil bezeichnet. Der Klebekörper (Viscidium) der Pollinien wird vom Rostellum gebildet und davon abgelöst. Meistens ist das Pollinium mit dem Viscidium durch einen Stiel (Caudicula) verbunden. Die vom Bestäuber übernommene "Bestäubungseinheit" (Pollinarium) kann aus einem oder mehreren Pollinien, deren Stielen und dem Viscidium bestehen. Diese Spezialisierungen optimieren die Bestäubung durch Insekten (zygomorphe Blüten; Pollinien; oft spezifische Bestäuber). Nur wenige Orchideen sind vogelblütig. Fruchtknoten dreiblättrig aber zumeist einfächerig mit vielen Samenanlagen. Keine doppelte Befruchtung. Kapselfrucht öffnet sich mit (wenige Ausnahmen, z.B. manche Vanilla-Arten) 3 oder 6 Schlitzen. Samen in den meisten Fällen winzig, unter 0.1 mm, ohne Endosperm. Die erste Keimlingsentwicklung (Protocorm) ist unter natürlichen Bedingungen zu allermeist nur im Zusammenleben mit Pilzen (besonders "Rhizoctonia"-Stadien der Gattungen Ceratobasidium, Sebacina, Tulasnella) möglich. Pilzzellen dringen in Keimlingszellen ein (endotrophe Mykorrhizierung); sie werden während der weiteren Entwicklung in diesen Zellen verdaut. Ausgewachsene, autotrophe Orchideen sind zumeist auf die Mykorrhizierung nicht mehr angewiesen, wohl aber die chlorophyllfreien Arten.
Systematik und Phylogenie: Traditionell werden die Orchideen in 3 Taxa (Unterfamilien oder Familien) gegliedert, Apostasioideae, Cypripedioideae und Orchidoideae. Die beiden ersten werden auch in molekularen Phylogenien unterstützt. Die verbleibende, große Mehrzahl der Orchideen wird nach molekularen Daten in weitere 3 Unterfamilien, Vanilloideae, Orchidoideae und Epidendroideae, zerlegt.
Pleione limprichtii. Bild: F. Oberwinkler, 19.03.2006, Botanischer Garten Tübingen
Pleione limprichtii. Bild: F. Oberwinkler, 19.03.2006, Botanischer Garten Tübingen
Dendrobium nobile. Bild: F. Oberwinkler, 17.02.2006, Botanischer Garten Tübingen
Dendrobium nobile. Bild: F. Oberwinkler, 17.02.2006, Botanischer Garten Tübingen


Einige Gattungen der Orchidaceae


Calanthe, Cymbidium, Dendrobium, Neomoorea, Oerstedella, Pleione, Stanhopea


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Erstellt von jlorbe. Letzte Änderung: Freitag, 13. April 2007 16:30:17 CEST by ubloss.